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CLEO creates emotions.

Wo die Angst sich aufhält, da schau hin

‚Life begins at the end of the comfort zone’. Das Leben beginnt am Ende der Komfort Zone. Dieses Zitat habe ich damals unter ein Bild, das Athleten bei einem harten Wettkampf darstellt, kopiert, für einen Artikel bei meinem ehemaligen Arbeitgeber.

Dass das Leben tatsächlich erst da – am Ende der Komfort Zone, des sicheren Nests, oder aber am Anfang des Glatteises beginnt, wage ich zu bezweifeln. Ich kenne durchaus Menschen, die sich nicht freiwillig in unangenehme oder anstrengende Situationen begeben, aber dennoch sehr glückliche und starke Personen sind. Allerdings bin ich durchaus der Meinung, dass Angst uns lähmt, die Überwindung eben dieser uns aber stärkt und stolz macht. Wir alle versuchen uns ein Nest oder einen sicheren Rahmen zu bauen, worin wir uns wohl fühlen – ob das als Familienmensch ist, als Reisende/r, als Single, als Sportler oder als Büromensch – wir folgen unseren Bedürfnissen und mit den Optionen, die uns in dieser Welt zur Verfügung stehen, sind wir auf der privilegierten Seite. Wir haben die Wahl zwischen vielen, ja, unendlich vielen Möglichkeiten. Dennoch schlummern in vielen von uns Kapazitäten und Kräfte, von welchen wir nicht wissen und aber auch niemals wissen werden, wenn wir uns nicht an sie heranwagen und sie nutzen.

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Dazu braucht es die Herausforderung um diese Werkzeuge einsetzen zu können – jedoch hegen solche Herausforderungen oftmals Respekt, Nervosität und eben Angst. Respekt sehe ich als eine Tugend – sei es gegenüber unseren Mitmenschen, gegenüber uns selber oder aber vor Dingen, welche wir anpacken wollen. Respekt hält uns auf dem Boden der Tatsachen fest und lässt uns in der Reflektion mit uns selbst bleiben.

Nervosität oder Adrenalin kann ein grosser Vorteil für die Leistung darstellen. Die Erleichterung und der Triumph, die sich nach der Vollbringung einer Leistung einstellen, sind ein glücklicher Ausgleich zur Anspannung davor.

Angst lähmt. Das Wort Angst kommt von ‚beengend’, ‚Enge’, ‚Bedrängnis’ – sie raubt uns den Blick auf das Wesentliche und kann uns und unser Potential blockieren. Gerade deswegen sind die Schritte IN diese Welt, wo uns die Angst entgegenblickt so wichtig. Die Angst, mit ihrer Kraft und Macht verliert nur an Bedeutung, wenn wir uns ihr stellen. Es ist an uns, mit unserem Mut diese Macht zu entschärfen und uns selber dabei zu unterstützen, mit der Angst umgehen zu können.

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Die Angst aber steht im Weg. Angst ruft Unsicherheit hervor, sie will uns mitteilen, dass wir etwas nicht können, sie ruft Bilder wach, dass wir versagen könnten – oder nicht gut genug sind. Die Angst ist die Feindin des Muts, den wir nämlich haben. Doch die Angst lässt uns zurückschrecken, vor Dingen, von welchen wir vielleicht träumen, sie zu können. Und in so vielen Momenten glauben wir der Angst das auch.

Aber wir können. Wünsche und Träume in die Tat umzusetzen – und ich spreche jetzt nicht von romantischen und emotionalen ‚Dingen’, denn diese leben ihr eigenes Leben – erfordert Mut, Zielstrebigkeit, Entschlossenheit und Selbstvertrauen. Das Können und das Talent sind praktische Begleiter, aber in vielen Fällen geht es auch ohne – womöglich etwas harziger oder mit Umwegen – dennoch sind der Wille, die Geduld und die Ausdauer in vielen Fällen in der Lage, diese Defizite auf Dauer zu kompensieren.

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Dennoch braucht es die Angst, um zu verstehen, wieviel Kraft und Mut wir haben, sie zu überwinden. Dieser Prozess ist es, der unser Selbstvertrauen stärkt, uns zuversichtlicher werden lässt und uns die Möglichkeit gibt, mehr über uns zu lernen. Das Gebiet ausserhalb der Komfort Zone, wo es unangenehm ist, wo die Angst ihren Platz einnimmt und welche unsere Stabilität testet – dort gilt es, sich zu positionieren und zu arbeiten, bis es zur Komfort Zone wird. Und dann weiterzuschreiten in die nächste Unbequemlichkeit. Oder sagen wir, in die nächste Herausforderung.

Nicht alle wollen das. Viele sind glücklich und zufrieden im Gefühl der Sicherheit und das ist in Ordnung so. Es gibt handkehrum Junkies wie mich, welche sich permanent ins kalte Wasser schmeissen müssen um sich nicht zu langweilen. Ob das gesund ist oder nicht sei dahingestellt und ein Thema für einen anderen Tag.

Es geht nicht darum keine Angst zu haben. Aber darum, diese zu überwinden. Dies als wohlwollendes Geschenk an uns selber mit der Klarheit darüber, dass uns keine Angst verunsichern kann.

 

Foto & Text: Lucie Pfändler (No copyright allowed)

Blog Fitswisschick (Lucie Pfaendler)

lucie.pfaendler@gmx.ch