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CLEO creates emotions.

Wie alt bist Du eigentlich?

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‚Stell Dir vor, wie das aussieht, wenn Du mal alt bist.’

Standard Kommentar zu meinen Tätowierungen. Genau genommen ist es mir mehr als egal, wie diese aussehen, wenn ich mal alt bin, denn meine Priorität liegt dann wahrscheinlich auf anderen Dingen, wie zum Beispiel meiner Gesundheit oder wie ich rechtzeitig zu meinem Friseurtermin komme, für den Fall, dass ich nicht mehr richtig gut gehen kann. Auf jeden Fall werde ich alles daranlegen, dass ich niemals mit einem Katheder rumlaufen muss. Ich habe auf der Geriatrie gearbeitet, ich kenne diese Dinger. Nicht lustig. Dagegen sind meine verknitterten Tätowierungen ein Klacks.

Ziemlich sicher werde ich keine Enkelkinder haben, aber vielleicht bin ich noch in Kontakt mit den Kindern meiner Freunde oder derer Kinder, und ich könnte mir vorstellen, dass sie eine alte Hippieschwester mit Tätowierungen ganz ok finden. Zumindest glaube ich nicht, dass sie mich deswegen abwerten.

 

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Ich bin mir nicht sicher, wo genau die ‘Regeln’ entstanden sind, die aufzeigen, ab welchem Alter man was tun und tragen darf oder eben nicht. Der ehrliche Schock in den Gesichtern meiner Teenager, mit denen ich arbeite berührt mich, weil sie ehrlich niemals gedacht haben, dass ich zwei Jahre von der 40 entfernt bin. ‘Aber Lucie, Du kannst doch mit 38 nicht mehr so rumfluchen.’ Doch, kann ich. Ich kann auch lange Haare tragen, so lange ich das möchte. Irgendwo habe ich mal gehört, dass lange Haare ab 45 nicht mehr adäquat seien. Ich verstehe es nicht und will mich auch gar nicht damit auseinandersetzen. Das finden die Teenies cool, und ich möchte auch, dass sie das so lernen.

Die Nummer des Alters vergleiche ich mit der Nummer auf der Waage. Es ist eine Zahl, mehr nicht. Und trotzdem definieren sich so viele – mehrheitlich leider Frauen – über genau diese Zahl. Ihren Wert, ihr Selbstvertrauen, ihren Lebensmut oder ihre Fröhlichkeit hängt von dieser Zahl ab – EINE ZAHL. Die nichts Elementares aussagt. Von einem biologischen Gesichtspunkt her mag es sein, dass sich gewisse Lebensperspektiven ab ungefähr 40 ändern, da unser Körper schlicht nicht gemacht ist, um bis ins hohe Alter Kinder zeugen zu können. Aber unsere Natur, unsere Lebenseinstellung? Darüber entscheiden wir selber und bestimmt nicht unser Jahrgang oder aber unser Körpergewicht. Ich bin hochzufrieden in meiner Position als 38-jährige, auch wenn ich ganz und gar nicht dem scheinbaren Standard einer solchen Frau entspreche. Ich habe kein Bedürfnis zurückzukehren in die Zwanziger, und noch viel weniger mich zu ändern, nur, weil ich Mitte 30 überschritten habe.

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Ich fühle mich auch äusserst wohl mit einem Gewicht irgendwo zwischen 60 und 70 Kilo, ich könnte aber auch 50 oder 75 Kilo sein – es spielt keine Rolle, denn ich bin gesund, stark, schnell, mittlerweile sogar einigermassen beweglich und ich mag, was ich im Spiegel sehe. Und vor allem: mein Körper trägt mich durch jeden anstrengenden Tag, funktioniert, und hat all die Schindereien, die ich ihm zugefügt habe, überlebt und mir verziehen. Was kann ich mir mehr wünschen?

Wir können all die ‘Regeln’ des Älterwerdens brechen, so lange wir das Herz am richtigen Fleck haben und uns selber und unseren Mitmenschen wohlwollend gegenübertreten. Solche Überschreitungen der Norm sind gesund und völlig indiskutabel, denn wer bestimmt schon die Norm? Genau.

 

Text & Fotos: Lucie Pfändler (Fitswisschick)

Link Website Fitswisschick